FeLV und FIV: Antworten zu den häufigsten Fragen  
 

FeLV

Häufigkeit 
 
Die publizierten Daten reflektieren nie die gesamte Tierpopulation, da stets vor der Testung in unterschiedlichem Maße Vorselektion betrieben wird. Dennoch ist die Kenntnis von solchen Häufigkeiten für den praktizierenden Tierarzt oft eine hilfreiche Information.
In unserem Labor zeigten sich im Jahr 2003 von den getesteten Tieren 7% positiv (n=4208); eine Altersabhängigkeit war ebenso wenig zu ermitteln, wie eine Geschlechtsabhängigkeit. In den USA wird eine Prävalenz von 4% angegeben; diese steigt in der Population kranker Tiere auf 21%.
Nachweis
Alle derzeit im Handel erhältlichen ELISAs zum Nachweis des Retrovirus FeLV basieren auf der Detektion mindestens des p27 Antigens. Sie zeichnen sich durch ähnliche, sehr gute, Sensitivitäten mit voneinander abweichenden Spezifitäten aus. Bedingt durch die geringe Prävalenz des Virus in der Population ist die Sicherheit für das negative Ergebnis sehr groß. Ein positives sollte - besonders wenn abweichend von den Erwartungen aufgrund der klinischen Untersuchung - durch einen Bestätigungstest verifiziert werden. Rechnerisch gesehen ist bei einer Durchseuchung der Population von 4% eine Rate von 20% falsch positiver Ergebnisse zu erwarten. Ideal als Bestätigungstest ist immer ein Test mit anderem Design. Wird mit einem Test hoher Sensitivität gescreent, so sollte der Bestätigungstest eine hohe Spezifität aufweisen. Für FeLV empfiehlt sich der IFT (Immunfluoreszenztest) oder die PCR.

Antikörpertests sind zur Diagnostik einer Infektion nicht sinnvoll, da ein hoher Anteil der Tierpopulation - besonders der Freigänger - Antikörper aufgrund transient durchlaufener Infektionen aufweist ohne persistierend virämisch zu sein (abortive Infektionen oder latent aber nicht virämisch infiziert mit Möglichkeit zu Ausbruch der Erkrankung in späterer Lebensphase).
Divergierende Testergebnisse bei einem Tier sind möglich durch:
1.   Verlauf der Infektion (in unterschiedlichen Phasen der Infektion getestet) 
2.  Testung unterschiedlicher Kompartimente ( ELISA weist freies Virus nach, IFT zellgebundenes, PCR mit Knochenmark im Knochenmark vorliegendes Virusmaterial 
3.  Seltener Grund: mangelnde Spezifität (kein Test hat 100%ige Spezifität), technische Probleme bei Testdurchführung 

Negative Ergebnisse können zur Ursache haben: 
1.   Tier ohne Exposition 
2.  Testung während der Inkubationszeit  
3.  infiziertes Tier in latenter Infektion 
4.   Tier mit abortiv verlaufener Infektion 


Eine Impfung interferiert nicht mit der Testung, da bei der Impfung die Produktion von Antikörpern gegen ein spezielles Impfantigen induziert wird, bei der Testung (unabhängig vom Testhersteller) immer ein anderes Antigen nachgewiesen wird.
Erregerbiologie
Der Test, der Nachweis der Virämie, ist ab dem 28ten Tag nach Infektion als positiv zu erwarten.

Bei infizierten Kätzinnen wird das FeLV-Virus in hohen Raten vom Muttertier auf die Welpen übertragen; dies wird als der häufigste Übertragungsmodus angesehen. Es wird in seltenen Fällen von nicht virämischen (negativ getesteten) Muttertieren berichtet, die den Erreger auf einen Teil ihrer Welpen übertragen haben. Würfe sollten bei unklarer Infektionslage der Muttertiere daher möglichst komplett getestet werden, auch wenn Geld knapp ist (Tierheime etc.). Katzenwelpen können ohen Rücksicht auf maternale Antikörper getest werden (keine Interferenz mit dem Test), der Antigennachweis kann bei Welpen aber verzögert positiv sein (bis zu mehreren Monaten).
Was tun, wenn ein positives Tier im Haushalt ist?
Der positive Nachweis selbst gibt keine Aussage über eine klinische Erkrankung. Über 60% der Infektionen verlaufen abortiv, und auch persistierend virämische Tiere können über Jahre mit der Infektion leben. Ca. 70% FeLV-positiver Tiere sind syptomlos infiziert.

Die Übertragung erfolgt- wenn nicht vom Muttertier schon auf die Welpen geschehen - über engen Kontakt (Putzen, gemeinsame Futter- und Wassernäpfe, gemeinsames Katzenklo). Das Virus wird über alle Sekrete und Exkrete ausgeschieden, ist aber extrem labil gegenüber Wärme und Austrocknung.

Die sicherste Methode, andere Katzen zu schützen, ist die Testung aller Tiere im Bestand und die nachfolgende Trennung der positiv-getesteten von den negativ-getesteten Tieren. Negativ können Tiere erst genannt werden, wenn zwei konsekutive Untersuchungen im Abstand von 2 Monaten das gleiche Ergebnis erzielt haben. Neue Katzen sollten lediglich in einen negativen Bestand verbracht werden. Als Quarantänemaßnahme wird die zweimalige Untersuchung im Abstand von 2 Monaten empfohlen.

Ist die Trennung zwischen positiven und negativen Tieren nicht möglich, so ist die Impfung der negativen Tiere im Haushalt gegen FeLV anzuraten - ein Restrisiko bleibt für die negativen Tiere, da der Schutz durch Impfung nicht 100% beträgt. Die Infektion von adulten Tieren ist aber relativ unwahrscheinlich, da es eine starke natürliche altersabhängige Resistenz gegenüber dem FeLV-Virus gibt. 

 

FIV

Häufigkeit 

In unserem Labor zeigten sich im Jahr 2003 von den getesteten Tieren 4,8% positiv (n=1688). Kater waren überrepräsentiert ( von den getesteten waren 5,8% der männlichen Tiere positiv und 3,1% der weiblichen).
Nachweis 
Alle derzeit im Handel erhältlichen ELISA-Nachweise, die in der Routine zur Untersuchung eingesetzt werden, basieren auf der Detektion von Antikörpern. Bedingt durch die geringe Prävalenz des Virus in der Population ist die Sicherheit für das negative Ergebnis sehr groß, das positive sollte - besonders wenn abweichend von den Erwartungen aufgrund der klinischen Untersuchung - durch einen Bestätigungstest verifiziert werden (siehe auch FeLV), wahlweise alternativ durch eine Testwiederholung. 
Antigentests sind nicht sinnvoll, da auch persistierend infizierte Virusträger nur in extrem niedrigen Konzentrationen Virus im Blut enthalten. Derzeitige Einschränkung für den Einsatz einer PCR, die methodisch für den Nachweis geringster Virusmengen prädestiniert sein sollte, ist die hohe Mutationsrate des Virus, die in einer - je nach Wahl der Primer unterschiedlich - hohen Rate falsch negativer Ergebnisse resultiert.
Die Impfung mit dem in den USA zugelassenen Impfstoff interferiert mit der Testung. Ferner ist die Frage nach dem Schutz gegenüber allen, genetisch stark variierenden, Subtypen durch den Impfstoff nicht geklärt. Die Impfung gegen FIV wird von tiermedizinischen Gremien in den USA derzeit daher nicht befürwortet. 
Erregerbiologie
Der Nachweis der durch Infektion induzierten Antikörper ist ab dem 60ten Tag nach Infektion als positiv zu erwarten; in Einzelfällen sind sogar deutlich länger Zeiträume bekannt. Negativ getestete Tiere unklarer Herkunft sollten daher mit einem Intervall von 60 Tagen nachgetestet werden.

Das FIV-Virus kann vom Muttertier auf die Welpen übertragen werden, in jedem Fall werden bei positiven Kätzinnen Antikörper übertragen. Welpen sollten wegen der Übertragung maternaler Antikörper möglichst erst ab dem 5ten Lebensmonat getestet werden. Abschließende Resultate hinsichtlich des Infektionsstatus bei zunächst serologisch positiven Welpen können erst ab dem Alter von 6 Monaten erwartet werden.

Als wichtigster Infektionsmodus wird der Biß angesehen. Daher sind ältere männliche Tiere mit Freigang in der Gruppe der positiven Tiere überrepräsentiert (Krankheit der „dirty old men“). In Langzeitstudien ist allerdings auch „casual transfer“, Übertragung ohne Kenntnis vorangegangener Kämpfe oder Bisse, beobachtet worden.

Positive Antikörpernachweise bei Adulten sind (abgesehen von Spezifitätsproblemen eines Tests) deutlich hinweisend für eine Infektion, da davon ausgegangen werden kann, dass abortive Infektionen (praktisch) nicht vorkommen. Die Bestätigung des positiven Testergebnisses über ein vom ersten Test abweichendes Testdesign sollte wegen nie 100%iger Spezifität dennoch vorgenommen werden. Der positive Testverlauf gibt aber keine Aussage zum Krankheitsverlauf (Prognose für das Tier). Bei positiven und klinisch erkrankten Tieren ist die Erstellung des zellulären Immunstatus prognostisch hilfreich und kann helfen, eine antivirale Therapie zu optimieren.
Was tun, wenn ein positives Tier im Haushalt ist?
Idealerweise werden positive und negative Tiere getrennt gehalten. Bissverletzungen werden als Hauptübertragungsquelle angesehen, kommen aber in bestehenden Tiergruppen selten vor. Das Infektionsrisiko für negative Tiere, die mit positiven zusammen gehalten werden, ist daher gering, solange die Tiergruppe und damit die Rangfolge stabil bleibt. 

Für das positive Tier gilt es, den Krankheitsverlauf möglichst zu verlangsamen durch: 
 
1.  Kastration 
2.  kein Freigang (Schutz anderer Tiere vor Infektion, Schutz des positiven Tieres vor
     zusätzlichen Infektionen) 
3.  ausgewogene Fütterung, Vermeidung von rohem Futter, konsequente Entwurmung 
4.  regelmässige Gesundheitskontrolle beim Tierarzt  

 

FeLV und FIV

Was tun, wenn ein positives Tier im Haushalt war?
 
FeLV ist relativ instabil - Cornell University empfiehlt als wichtigste Maßnahme eine Warteperiode von 30 Tagen. Teppiche sollten gründlich gesaugt, waschbare Bodenflächen möglichst mit desinfektionshaltigen Lösungen gewischt werden. Liegeflächen, Futter- und Tränkeschüssel sowie Katzenklo sollten gründlich gereinigt und möglichst desinfiziert werden.
FIV überlebt in der Umgebung maximal einige Stunden. Die Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen sollten sich an denen bei FeLV orientieren. 

FeLV und FIV:
Was ist in der Praxis an Hygienemaßnahmen durchzuführen?
Beide Viren sind Retroviren und werden einfach durch übliche Desinfektionsmaßnahmen inaktiviert.
Folgende Übertragungswege sind zu berücksichtigen und zu unterbinden: Blutübertragung (Blutspender nicht nur auf Blutgruppe sondern auch auf Virusinfektionen testen), Endotrachealtuben, OP-Bestecke, Gerätschaften zur Zahnsanierung. 



FeLV und FIV:
Wann sollte getestet werden?
 
FeLV:
1.  Infektionsstatus des Tieres ist unbekannt 
2.  neu in den Haushalt kommendes / gekommenes Tier 
3.  krankes Tier, vormals negativ getestet mit zwischenzeitlicher Kontaktmöglichkeit zu 
     FeLV (Freigänger) 
4.  im Vorfeld einer Impfung 

FIV:
1.  Infektionsstatus des Tieres ist unbekannt  
2.  neu in den Haushalt kommendes / gekommenes Tier 
3.  krankes Tier, vormals negativ getestet mit zwischenzeitlicher Kontaktmöglichkeit zu
     FIV (Freigänger) 
4.  gesundes Tier nach Kontakt zu FIV positiv-getestetem Tier 
5.  zwischenzeitliche Kontaktmöglichkeit zu FIV (Freigänger)- hier kann regelmäßige 
     Kontrolle angezeigt sein  
6.  im Vorfeld einer Impfung (falls diese gewünscht und erhältlich)  
 
 

 

 


 


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