Welpendermatologie   Welpendermatologie PDF  (237 KB)

  

Häufig sind wir in der täglichen Kleintierpraxis mit Hunde- und Katzenwelpen aller Rassen konfrontiert. Nicht selten leiden bereits ganz junge Tiere an schwerwiegenden Hautproblemen. Da die Tiere so jung sind, sind natürlich auch die anamnestischen Informationen limitiert. Oft handelt es sich um Zoonosen, wobei wir jedoch hier meist einen Hinweis aus der Anamnese bekommen. Manchmal handelt es sich um einen genetischen Defekt, der bereits von Geburt an vorhanden war. Aber in vielen Fällen haben wir es einfach „nur“ mit diversen Hauterkrankungen zu tun, für die speziell sehr junge Tiere eine Prädisposition haben. Kongenitale (Angeborene) Dermatosen sind zu einem bestimmten Grad bereits bei der Geburt vorhanden. Die Ätiologie ist nicht immer bekannt, jedoch entstehen viele genetische Defekte spontan. Hereditäre (vererbliche) Entwicklungsdefekte sind bei der Geburt noch nicht vorhanden, aber manifestieren sich später im Leben.
 

 Ichthyose
  

Die canine Ichthyose ist durch eine Akkumulation von großen Schuppen - über den ganzen Körper, einschließlich der Pfoten und Ballen verteilt – gekennzeichnet. Dies wird durch eine exzessive Hyperkeratose hervorgerufen. Die Erkrankung ist bereits bei der Geburt vorhanden und wird zunehmend schlimmer. Mit der Zeit können die Hunde alopezisch und pruritisch werden. Die Zellerneuerungszeit ist bei dieser Erkrankung extrem verkürzt. Ein autosomal rezessiver Erbgang ist wahrscheinlich. Die meisten Tiere werden euthanasiert, auch weil nur wenige Besitzer in der Lage und willens sind, die sehr aufwendige Behandlung mit häufigen Waschungen durchzuführen.
 

 Hereditäre Alopezie bzw. Hypotrichose
  

Alopezie ist die totale Haarlosigkeit, wohingegen Hypotrichose weniger Haare als normal bedeutet (ausgedünnte, schüttere Behaarung). Die Einteilung der hereditären Alopezien ist kontrovers, es können jedoch sehr viele verschiedene Syndrome dazugezählt werden. Prinzipiell muss man zwischen einem hereditären Defekt und einem gewünschten kongenitalen Erscheinungsbild unterscheiden, wie dies z.B. beim Chinese Crested oder Mexican hairless dog vorkommt.

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Cutane Asthenie
  

Das Ehlers-Danlos-artige Syndrom wird auch Dermatosporaxis oder Gummiwelpen- Syndrom genannt. Es entsteht durch eine angeborene Bindegewebsmissbildung. Die Erkrankung wurde bei vielen Hunderassen und auch bei Katzen beschrieben. Es handelt sich um eine vererbte autosomal dominante Erkrankung. Das Ehlers-Danlos-artige Syndrom hat verschiedene Schweregrade und kann daher bei mild betroffenen Tieren für einige Monate nicht bemerkt werden. Die Haut ist sehr dehnbar und verletzlich, was sehr schnell zur Verwundung führt, die wiederum vernarben. Wahrscheinlich gibt es wie in der Humanmedizin verschiedene Subtypen. Die klinische Diagnose wird entweder histologisch oder falls nicht eindeutig elektronenmikroskopisch bestätigt.

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Lymphödem
  

Das Lymphödem ist eine Schwellung der Extremitäten durch eine abnorme Akkumulation von interstitieller Gewebsflüssigkeit. Das primäre Lymphödem entsteht durch Entwicklungsstörungen der lymphoiden Organe. Es ist durch ein weiches, nicht schmerzhaftes Ödem an einer oder mehreren Extremitäten gekennzeichnet. Meistens wird es vom Besitzer im Alter von Geburt bis 12 Wochen erkannt.

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 Hypophysärer Zwergwuchs
  

Diese Erkrankung wurde in den frühen vierziger Jahren in Deutschland beschrieben und ist seither nicht nur beim Deutschen Schäferhund, sondern bei vielen Rassen beschrieben worden. Es handelt sich um einen autosomal rezessiven Erbgang. Die klinischen Symptome werden durch das Defizit des Wachstumshormons und manchmal auch anderer hypophysärer Hormone gekennzeichnet. Die Hunde sind Zwerge, wesensverändert (Angst, aggressiv), die permanenten Zähne kommen verzögert und die Immunantwort ist reduziert. Das Welpenfell bleibt und mit der Zeit werden die Tier alopezisch und hyperpigmentiert. Normalerweise sind die betroffenen Hunde Miniaturen ihrer Wurfgeschwister.

Dysplasie der schwarzen Haare
 

Diese Erkrankung sieht man bei schwarzweißen, dreifarbigen oder braun oder blau und weiß gefleckten Hunden. Der Haarverlust beginnt kurz nach der Geburt und nimmt zu, bis es zur totalen Kahlheit kommt. Bei dieser Haarfollikeldysplasie zeigen sich wie bei der Farbmutantenalopezie im Trichogramm und der Histologie Makromelanosomen. Neben einem intra- und perifollikulärem „Pigmentclumping“ finden sich auch morphologische Missbildungen der Follikel und der sich bildenden Haarschäfte.
 

Dermatomyositis
 

Es handelt sich um eine hereditäre Hautund Muskelerkrankung bei jungen Hunden. Beim Collie ist das Syndrom autosomal dominant vererbt, ebenso wahrscheinlich beim Sheltie. Die Muskelbeteiligung entsteht nach den Hautveränderungen und korreliert mit der Stärke der Dermatitis. Hautläsionen beginnen zwischen 7 Wochen und 6 Monaten, sie können spontan verschwinden oder progressiv sein. Initial sieht man eine erythematöse Dermatitis, mit Vesikelbildung und Haarverlust. Diese beginnt am Nasenrücken, um den Mund, an den

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Ohrspitzen und der Schwanzspitze sowie an Knochenvorsprüngen. Schuppung und Krusten entstehen und in der Folge kommt es zur Vernarbung. Selten sind auch Ulzerationen in der Mundschleimhaut und am Ballen zu sehen. Die Ausprägung der Symptomatik kann intermetierenden Verlauf nehmen. Das häufigste klinische Zeichen der Myositis ist eine asymptomatische Atrophie, vor allem der Kaummuskulatur und der Muskulatur der distalen Gliedmaßen. Bei schweren Verlaufsformen ist das klinische Handling kaum möglich. Durch die Schwierigkeiten beim Kauen kommt es zu Aspirationspneumonien und es kann zu einer Verschlimmerung der Muskelprobleme durch hohe Dosen von Glukortikoiden kommen, die zur Beherrschung der Hautprobleme kaum vermeidbar sind.
 

Impetigo
 

Junge Welpen zeigen sehr oberflächliche gelbe Pusteln (interfollikulär) am ventralen Abdomen und in der Inguinalfalte. Meistens kann die Erkrankung problemlos mit antibakteriellen Shampoos therapiert werden, gelegentlich jedoch kann sich die Erkrankung zu einer bakteriellen Follikulitis entwickeln.

Juvenile Cellulitis
 

Diese Erkrankung wird auch „Puppy strangles“ oder juvenile Pyodermie genannt. Es handelt sich um eine häufige Erkrankung bei Welpen zwischen 3 Wochen und 12 Monaten. Wegen der Häufung in manchen Rassen und Familien wird ein hereditärer Einfluss angenommen. Die Mandibularlymphknoten sind vergrößert und im Bereich von Lippen, Augenlidern und Pinna kommt es zu einem sich schnell entwickelnden Ödem, Papeln und Pusteln.

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Die Läsionen produzieren seröses bis purulentes Exsudat, außerdem kann es zu einer purulenten Otitis externa kommen. Gelegentlich rupturieren die Lymphknoten mit hämorrhagischem purulenten Exsudat. Kulturelle Untersuchungen bleiben negativ, es besteht dramatisches Ansprechen auf Glukokortikoide, eine zugrundeliegende Immundysfunktion ist daher wahrscheinlich. Die Genitalien, die perianale Region und die Zehen können ebenfalls betroffen sein. Es kann auch zu einer generalisierten Lymphadenopathie oder Cellulitis der Extremitäten kommen. Ein Drittel der Fälle hat Fieber, Anorexie zusammen mit der Cellulitis.
 

Zu den am häufigsten vorkommenden Hauterkrankungen beim Welpen gehören die
 

 - Demodikose, die vor allem beim jungen Hund häufig in der lokalisierten Form vorkommt. Kleine, oft kreisrunde haarlose Stellen führen oft zu der Fehldiagnose Dermatophytose, beim tiefen Hautgeschabsel lassen sich jedoch Demodexmilben nachweisen. Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen der lokalisierten und der generalisierten Form, da zweitere eine Therapie benötigt, erstere jedoch nicht. Außerdem kann die generalisierte Form in manchen Fällen kaum beherrschbar sein und hat dann eine ungünstige Prognose. Für diese Fälle wird ein Immundefekt (T-Zellvermittelt) angenommen, die Tiere sind von der Zucht auszuschließen.


- Dermatophytose, eine Zoonose, d.h. anamnestisch erfahren wir oft von einer Miterkrankung von menschlichen oder tierischen Familienmitgliedern. Bei dieser Art von „Bestandsproblem“ ist auch unbedingt auf asymptomatische Träger hin zu untersuchen, denn das primär verursachende Tier muss nicht unbedingt selbst symptomatisch sein. Auch diese Erkrankung kann kleine, kreisrunde haarlose Stellen verursachen, jedoch auch Veränderungen, die mit Schuppen, Krusten, „follicular casts“ oder bei der Katze mit miliarer Dermatitis einhergehen. Eine starke Prädisposition für eine symptomatische Infektion sind immunsuppressive Therapien oder Erkrankungen. Zur Diagnoseabsicherung bedarf es einer Pilzkultur, die nicht nur positiv ausfallen sollte, sondern bei der auch die Spezies des Dermatophyten diagnostiziert werden soll. Die Histologie ist bei einer negativen Kultur sinnvoll. Zum einen kann dort der direkte Erregernachweis gelingen, zum anderen wäre das Fehlen der typischen perifollikulären Entzündung zusammen mit einer negativen Kultur schon ein sehr weitgehender Ausschluss. Die histologische Probe ist aus Randbereichen zu nehmen, da die Dermatophyten das anagene, wachsende Haar benötigen, der Nachweis gelingt nicht an den bereits vollständig haarlosen Stellen.

- Allergie, hier ist in dem Altersbereich bis zu 6 Monate vor allem die Futtermittelallergie oder -intoleranz zu erwähnen. Sie kommt sehr häufig schon beim kleinen Welpen vor und äußert sich durch Juckreiz ohne typisches Verteilungsmuster. Manche Hunde zeigen zusätzlich eine gastrointestinale Symptomatik. Da die Allergie häufig mit einer sekundären Pyodermie einhergeht, welche wiederum in Form von Collaretten kleine haarlose kreisrunde Stellen verursacht, ist dies auch eine wichtige Differentialdiagnose zu den beiden oben erwähnten Erkrankungen. Atopische Erkrankungen in sehr jungem Alter sind selten, sollten aber nach Ausschluss aller anderen Möglichkeiten bei den Rassen mit einer starken Disposition differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.
 
 

 

 

 

  

  

 

 

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