Zubildungen der Maulhöhle bei Hunden und Katzen    Zubildungen der Maulhöhle bei Hunden und Katzen PDF ( KB)

 

Multiple Epuliden in der Maulhöhle eines Hundes

Multiple Epuliden in der Maulhöhle eines Hundes
(mit freundlicher Genehmigung der Tierklinik Dres. Staudacher, Aachen-Brand)

Einleitung

Läsionen in der Maulhöhle werden häufig bei Hunden und Katzen beobachtet. Aus klinischer Sicht ist dabei von besonderem Interesse, inwieweit es sich um entzündliche oder tumoröse Veränderungen handelt.
Im Folgenden werden ausgewählte Beispiele entzündlicher und tumoröser Veränderungen vorgestellt, die durch eine Umfangsvermehrung in der Maulhöhle auffallen.

Eosinophiles Ulku

Es handelt sich um eine Erkrankung, die bei Katzen und bei einigen Hunderassen auftritt und zum eosinophilen Granulomkomplex gehört. Die Läsionen kommen einzeln oder multipel vor. Bei Hunden finden sich erhabene, oft ulzerierte Plaques. Katzen zeigen gut abgegrenzte, ulzerierte Läsionen, die aufgeworfene Ränder aufweisen.
Die Ätiologie ist bisher unklar. Das Ansprechen auf Kortikosteroide spricht jedoch für eine immunvermittelte Pathogenese.
Aufgrund des unspezifischen klinischen Bildes wird für die sichere Diagnose eine histologische Untersuchung benötigt. Die Befunde sind durch das Vorkommen von eosinophilen Granulozyten sowie Kollagenolyse gekennzeichnet.

Plasmazelluläre Stomatitis

Es handelt sich um eine Erkrankung bei Katzen und selten bei Hunden, die sich als gerötete Umfangsvermehrung darstellt. Bei der histologischen Untersuchung kann eine Infiltration von Plasmazellen in der Submukosa festgestellt werden. Ursächlich wird aufgrund der erhöhten Immunglobulinspiegel im Blut ein immunologisches Geschehen vermutet. Die plasmazelluläre Stomatitis kann nur mittels histologischer Untersuchung von anderen Läsionen abgegrenzt werden.

Feline ulzerative Stomatitis

Diese kommt bei Katzen in der gesamten Maulhöhle, vor allem im Rachen sowie im Kieferwinkel vor. Die Ursache ist bisher unklar, eine Verschiebung der mikrobiellen Flora wird diskutiert. Weiterhin wird eine Beteiligung von Felinem Calicivirus und Felinem Herpesvirus 1 vermutet. Das histologische Bild ist nicht spezifisch, aber weiterführende ätiologische Untersuchungen können die Erreger mittels PCR (s. Abb. 1) identifizieren.


Abb. 1: Fluoreszenskurve einer Real-time-PCR
Abb. 1: Fluoreszenskurve einer Real-time-PCR
 
Neben entzündlichen Veränderungen führen auch Neoplasien zu Umfangsvermehrungen, wobei Tumoren der Zähne (Odentom, Zementom) und der Speicheldrüse im Folgenden nicht aufgeführt werden.

Epulis

Die Epuliden werden eher als Hyperplasien und nicht als Neoplasien angesehen. Die betroffenen Tiere weisen derbe, häufig auch multiple Umfangsvermehrungen auf.
Histologisch lassen sich zwei Formen unterscheiden: Epulis fibromatosa und Epulis ossificans, wobei Mischformen vorkommen können. Beide zeigen eine Proliferation von Bindegewebe. Die Epulis ossificans weist zusätzlich Osteoid und gut differenzierte Knochenbälkchen auf. Das klinische Verhalten ist identisch. Invasives Wachstum ist nicht bekannt, da jedoch eine vollständige Entfernung schwierig ist, kann es zu erneutem Wachstum kommen.
Makroskopisch können Epuliden nicht von einem kaninen akanthomatösen Ameloblastom unterschieden werden, so dass eine histologische Untersuchung nötig ist.

Kanines akanthomatöses Ameloblastom

Dabei handelt es sich um einen Tumor, der von den odontogenen Epithelien (Zahnhalteapperat) ausgeht (s. Abb. 2) (früher: akanthomatöse Epulis). Die histologische Untersuchung ist insbesondere zur Abgrenzung von einem Plattenepithelkarzinom wichtig, da das Ameloblastom im Gegensatz zu Epuliden zwar lokal invasives Wachstum zeigt aber nicht metastasiert und somit eine bessere Prognose hat als ein Plattenepithelkarzinom.
 

Abb. 2: Kanines akanthomatöses Ameloblastom
Abb. 2: Kanines akanthomatöses Ameloblastom gekennzeichnet durch odontogene Epithelzapfen in der Submukosa, HE, Obj x20

Papillom

Papillome sind gutartige Tumore, die von dem Plattenepithel ausgehen. Makroskopisch stellen sie sich als warzenförmige Gebilde mit einer blumenkohlartigen Oberfläche dar. Es gibt zwei Varianten: bei Welpen und jungen Hunden treten häufig multiple viral bedingt Papillome auf, die eine spontane Regression zeigen können. Die zweite Variante tritt meist solitär und bei älteren Hunden auf. Eine Beteiligung von Papillomaviren an der Entstehung ist hierbei umstritten.
Die Prognose ist in der Regel bei beiden Formen günstig, nur sehr selten kann eine maligne Transformation auftreten, die in der histologischen Untersuchung durch irreguläre Epithelzapfen in der Tiefe auffällt.

Plattenepithelkarzinom

Dieses stellt die maligne Variante eines Tumors des Plattenepithels dar. Es ist der häufigste Tumor der Maulhöhle bei Katzen und der zweithäufigste beim Hund.
Der Tumor kann invasiv in den Knochen und das Weichgewebe wachsen. Je größer der Tumor zum Zeitpunkt der Entnahme ist, umso schlechter ist die Prognose.
Bei Katzen stellen sich die Tumore makroskopisch als irreguläre Knoten von rot-grauer Farbe und bröckeliger Konsistenz dar. Häufig sind sie ulzeriert.
Beim Hund sind oft die Tonsillen, aber auch die Gingiva betroffen. Nah- und Fernmetastasen sind bei Hunden und Katzen beschrieben.

Melanom

Melanozytäre Tumore in der Maulhöhle sind in der Regel maligne. Die Knoten fallen klinisch häufig schon durch ihre schwarze Farbe auf. Die Prognose ist ungünstig, da häufig eine frühe Metastasierung in die regionären Lymphknoten, Lunge, Leber, Niere, Gehirn und auch andere Organe stattfindet.

Fibrosarkom

Fibrosarkome sind mesenchymale Tumore, die vom Bindegewebe ausgehen. Makroskopisch stellen sie sich als grau-rote, derbe Umfangsvermehrungen dar. Fibrosarkome fallen durch ein hochgradig invasives Wachstum auf, welches zu Osteolyse führen kann und die Entfernung erschwert. Metastasen können u.a. in den Lymphknoten und der Lunge beobachtet werden.
Osteosarkom

Osteosarkom

Auftreibungen des Knochens können infolge von Osteosarkomen auftreten. Die lytischen und proliferativen Prozesse mit Knochenumbau sind auch histologisch oft schwierig von entzündlichen oder traumatischen Läsionen zu unterscheiden. Oft kann nur durch die Kombination von klinischem Bild (Röntgenbildern) und histologischen Läsionen eine Diagnose gestellt werden.

Fazit

Da viele Läsionen der Maulhöhle ein makroskopisch ähnliches Bild aufweisen ist eine histologische Untersuchung in jedem Fall anzuraten. Vor der Resektion einer Umfangsvermehrung sollten mögliche Differentialdiagnosen überdacht werden, um einen geeigneten Resektionsabstand zu wählen. Weiterhin empfiehlt es sich auch die Resektionsgrenzen histologisch untersuchen zu lassen.

  








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