Cryptosporidien 
  – parasitärer Durchfallerreger nicht nur in  der Großtierpraxis
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Cryptosporidien sind sehr kleine, obligat intrazelluläre Protozoen und gehören zu den Kokzidien. Einer der häufigsten Erreger beim Menschen und Säugetieren ist Cryptosporidium parvum. Innerhalb dieser Spezies gibt es wiederum molekulargenetisch differenzierte Genotypen (human, cattle, mouse).

Beim Rind ist die Cryptosporidiose eine sehr häufige Endoparasitose. Zwischen 25% und 100% der Kälber machen eine Infektion mit C. parvum durch. Klinisch apparente Verläufe treten insbesondere bei Kälbern bis zur 3. Lebenswoche häufig im Zusammenhang Co-Infektionen auf, an erster Stelle mit Rotaviren, aber auch Coronaviren und E. coli. Nicht selten sind auch Lämmer, Ferkel oder Fohlen betroffen.

Eine weit niedrigere Prävalenz zeigen Hund und Katze (München: 0% Hund, 1,3% Katze; Österreich: Hund 0,6%, Katze 3,4%). Manifeste Infektionen treten bei Welpen auf.

Neben C. parvum können auch C. canis und C. felis bei Hund bzw. Katze zu Diarrhö mit Fieber, Gewichtsverlust und Rektum-Prolaps führen, diese Arten werden aber nur in Einzelfällen beim Menschen nachgewiesen. C. hominis, ein wichtiger Durchfallerreger bei Kindern, ist nicht pathogen beim Tier.

Beim Menschen ist eine Cryptosporidiose in jedem Lebensabschnitt möglich.
Inapparente Infektionen oder milde Verläufe sind bei immunkompetenten Personen zu beobachten. Diarrhöen mit cholera-ähnlichem Ausmaß treten bei immundefizienten Menschen, insbesondere bei HIV-Patienten auf.

Die Cryptosporidiose stellt bei Reptilien eine ernste Erkrankung dar, die insbesondere bei Schlangen- und Echsenbeständen starke Verluste verursachen kann.
C. serpentis ist ein wichtiger Parasit bei Schlangen und befällt die Magenschleimhaut. Durch die hervorgerufene chronische Entzündung kann in weiterer Folge eine Schwellung und eine bindegewebige Verhärtung im Magenbereich festgestellt werden. Typisch ist das Auswürgen der Nahrung Tage nach der Aufnahme. C. saurophilum zerstört die Schleimhaut der Darmwände betroffener Echsen und Schlangen.

Klinisch zeigt sich eine Malabsorption mit Ausscheidung von unverdauter Nahrung, hochgradigem Gewichts- und Flüssigkeitsverlust. Beide Erreger sind nicht pathogen für den Menschen. Nicht selten werden in Faeces von Reptilien C. muris und C. parvum als Darmpassanten (infizierte Futtertiere) gefunden.



Die Übertragung erfolgt in erster Linie über verunreinigtes Wasser oder Rohkost, aber auch durch Schmierinfektionen, da infektionsfähige Cryptosporidien ausgeschieden werden (direkte Zoonose!). Die infektiöse Dosis ist sehr gering (ca. 100 Oozysten). Durchschnittlich scheidet ein betroffenes Kalb 90 Oozysten/g Kot aus, die durch anschließende Düngung weiträumig verteilt werden. In den USA kommt es immer wieder zu größeren Epidemien über verunreinigtes Trinkwasser (1993, Milwaukee ca. 400.000 betroffene Personen). In Mitteleuropa blieben vergleichbare Krankheitsausbrüche bis jetzt aus. Laut technischer Universität Wien gelten, neben Giardia duodenalis und EHEC, Cryptosporidien als wasserassoziierte Erreger mit hoher Relevanz. In Deutschland werden 36% der Trinkwasserproben auf Cryptosporidien positiv getestet.



Desinfektionsmaßnahmen gestalten sich sehr schwierig, so reicht ein Chloreinsatz alleine nicht aus, nur in Kombination mit einer Ozonierung kann Cryptosporidien-verseuchtes Trinkwasser saniert werden.

Verunreinigte Aufstallungen und Terrarien sind häufige Ansteckungsquellen, da die Oozysten über Monate infektiös bleiben können.



Labordiagnostisch stehen verschiedene Methoden zum Nachweis zur Verfügung. Bereits bei der mikroskopischen Untersuchung nach spezifischer Anreicherung (MIFC)  können Oozysten gefunden werden. Wie alle parasitologischen Kotuntersuchungen ist hierbei die Sensitivität bei ca. 60 % relativ eingeschränkt.
Faeces-Präparate von Reptilien werden zur Erhöhung der Nachweisrate zusätzlich gefärbt (modifizierte Ziehl-Neelsen-Färbung) mikroskopiert.
Beim Rind empfiehlt sich die Untersuchung mittels ELISA, der C. parvum detektiert.
Die Immunfluoreszenz weist ein größeres Spektrum an Cryptosporidien-Spezies nach und ist deshalb bei Hund, Katze aber auch kleinen Nagern (Meerschwein: C. wrairi) geeignet. Beim Reptil kann bei positivem Ergebnis des IFAT nicht zwischen pathogenem Erreger oder Darmpassanten unterschieden werden. Hier kann die PCR mit angeschlossener Differenzierung einen sehr sensitiven und exakten Erregernachweis führen.

Abb. 1 Immunfluoreszenz

Abb. 1 Immunfluoreszenz: Cryptosporidien stellen sich leuchtend grün dar.



Eine erfolgreiche Therapie steht noch immer nicht zur Verfügung. Symptomatische Therapie und Hygienemanagement stehen bei der Bekämpfung der Cryptosporidiose im Vordergrund. Für das Kalb, das noch Milch trinkt und dessen Pansen noch nicht ausgereift ist, ist in der EU Halocur® zugelassen. Für Hund und Katze gibt es keine zugelassenen Chemotherapeutika. Eine Ausscheidungsreduktion der Oozysten bei der Katze kann mit Paromomycin, Tylosin oder Azithromycin erzielt werden, es gibt jedoch keine genauen Angaben über Behandlungserfolge. Beim Reptil werden Sulfonamide oder Toltrazuril versuchsweise eingesetzt.

Abb. 2 säurefeste Färbung

Abb. 2 In der säurefesten Färbung stellen sich Cryptosporidien im Gegensatz zu anderen, verwechselbaren Kotbestandteilen (z.B. Pilzelementen) rot dar

Cryptosporidiennachweismethoden

Cryptosporidiennachweismethoden












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