Arthroderma benhamiae – ein neuer Pilzerreger in der Dermatologie?  Arthroderma benhamiae PDF ( 803 KB)

Einleitung:

Dermatophyten sind Fadenpilze und stammen teleomorph aus dem Reich Eumycota, der Abteilung Ascomycota, der Unterabteilung Euascomycota, der Ordnung Onygenales, der Familie Arthrodermataceae und der Gattung Arthroderma. Mithilfe keratinophiler Enzyme können sie Haut und Haare sowie Krallen kolonialisieren und infizieren.
Als Dermatophytosen werden alle Infektionen durch Epidermophyton, Mikrosporum sowie Trichophyton bezeichnet.

Einteilung:

Taxonomisch werden die Hautpilze seit ca. 80 Jahren in drei anamorphe Gattungen unterteilt:

- Mikrosporum
- Epidermophyton
- Trichophyton

Während Epidermophyton, die aus einer einzigen Art besteht, nämlich Epidermophyton floccosum, rein  anthropophil auftritt, stellen einige Pilze aus den  beiden Gattungen Trichophyton und Mikrosporum  echte Zoonose-Erreger dar. Die Differenzierung erfolgt makroskopisch aufgrund ihres Wachstumsverhaltens sowie mikroskopisch  aufgrund ihrer Hyphenform, der Anordnung der  Mikrokonidien und ihrer Makro konidienform. Mit der Möglichkeit der Molekularbiologie konnte  die Pilz DNA sequenziert werden, die phäno typischenmorphologischen Eigenschaften traten in den Hin-tergrund, die Einteilung erfolgt nun aufgrund ihrer  teleomorphen Wuchsform.

Die Gattung Arthroderma wird unterteilt in:


Bei anderen Trichophyton-Arten wie Tr. ver rucosum sind bisher keine teleomorphen Stadien bekannt.

Teleomorphe Art: anamorphe Art:
Arthroderma benhamiaeTr. mentagrophytes
Arthroderma otaeMikrosporum canis
Arthroderma simiiTrichophyton simii
Arthroderma vanbreuseghemiiTr. interdigitale                     

Bei anderen Trichophyton-Arten wie Tr. ver rucosum sind bisher keine teleomorphen Stadien bekannt.

Änderung der nachgewiesenen Dermatophytenarten

Dermatophytosen bei kleinen Nagetieren, die ein  zoonotisches Potential aufweisen, wurden bislang  fast ausschließlich durch zoophile Trichophyton  mentagrophytes Stämme, jetzt Tr. interdigitale beim Menschen verursacht. Seit einiger Zeit hat sich jedoch das kulturelle  Verhalten der angezüchteten Dermatophyten auf den Nährböden (Sabouraud mit Gentamicin und Cloram-phenicol zum Hemmen der bakteriellen Begleitflora und Sabouraud mit Gentamicin, Chloramphenicol und Actidion zur Hemmung des Schimmelpilz Wachstums) grundlegend verändert.

Trichophyton mentagrophytes wies als Charakteristikum makroskopisch eine pudrige  Oberfläche und eine braune Rückseite auf. Seit  einigen Jahren findet man aber über wiegend positive Pilzkulturen von Meerschweinchen und Kaninchen,  deren Rückseite zitronengelb erscheint, ihre Oberfläche stellt sich leicht radiär gefaltet mit wenig
Thallusbildung dar. Sie ähneln so makroskopisch eher der Kulturmorphologie von Mikrosporum canis. Mikroskopisch stellen sie sich aber wie Tr. mentagrophytes dar.
Erst moderne molekularbiologische Untersuchungsmethoden mittels Sequenzierung der internal transcribed space (ITS)Region der DNA oder die matrix assisted laser desorption/inization time of flight (MALDI TOF MS) er möglichen eindeutig die Zuordnung der nachgewiesenen Pilze zu Arthroderma benhamiae.

Vorkommen:

Während in Japan bereits im Jahre 2002 Infektionen beim Menschen durch Trichophyton spezies von  Arthroderma benhamiae beschrieben wurden, wurde  in Deutschland bisher eher selten Tr. Spezies von  Arthroderma benhamiae als Ursache einer Dermatomykose identifiziert. Dies liegt aber wahrscheinlich dran, dass der kultivierte Pilz falsch identifiziert wurde.

Wie in Japan konnten aber auch bei uns überwiegend kleine Nager, in erster Linie  Meerschweinchen als Pilzträger und somit Quelle der Ansteckung identifiziert werden. Aber auch andere Nagetiere wie Hamster, Mäuse oder Ratten kommen als Infektionsquelle in Betracht.

Beim Menschen verursacht Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae im Gegensatz zu anthropophilen Hautpilzen häufig hoch entzündete Hautinfektionen. Als Ursache wird die Ausschüttung von proinflammatorischen Zytokinen, Chemokinen und immunmodulatorischen Zytokinen durch die Keratinozyten bei einer Infektion mit Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae angenommen.

Diagnostik von Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae:

Wood Licht: negativ weisen die befallenen Haare  mikroskopisch einen typischen endotrichen Sporenbefall auf:

Abb 1: Mit Pilzsporen durchsetzte Haare

Abb 1: Mit Pilzsporen durchsetzte Haare

Auf Sabouraud Glukose Agar bildet Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae flache ausstrahlende Kolonien mit beige bis gelb gefärbtes Luft myzel aus, die Unterseite erscheint dabei meist intensiv gelb gefärbt.
 
Abb 2: Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae Kultur Oberseite
 
Abb 2:
Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae Kultur Oberseite

Abb 3: Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae Kultur Unterseite

Abb 3: Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae Kultur Unterseite

Abb 4: Tr. mentagrophytes Kultur Unterseite

Abb 4: Tr. mentagrophytes Kultur Unterseite

Abb 5: Tr. mentagrophytes Kultur Oberseite

Abb 5: Tr. mentagrophytes Kultur Oberseite

Die Differenzierung in Tr. mentagrophytes und Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae ist in der Regel durch diese Morphologie-Unterschiede möglich.
In einigen Fällen muss die Differenzierung aber mittels PCR oder MALDI TOF erfolgen.

Behandlung:

Zur lokalen Behandlung der Infektion und Reduzierung der Sporenlast durch Tr. Spezies von Arthroderma benhamiae kann jedes gegen Dermatophyten wirksame Antimykotikum eingesetzt werden, z.B. Enilconazol (Imaverol®).

Zur systemischen Behandlung sind zugelassene Mittel wie Itrakonazol (Itrafungol®) oder Ketokonazol (Fugazid®) geeignet. Eine Impfung mit einem für Hunde und Katzen zugelassenen Impfstoff, die zwar beide Tr. Spezies von Arthroderma  benhamiae nicht beinhaltet, kann nach bisherigem Kenntnisstand die Therapie unterstützen, eine Neuinfektion aber nicht verhindern.

 








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