| Was Sie über ALLERGIEN beim PFERD wissen sollten  | | | | |  Eine Allergie (=Überempfindlichkeitsreaktion) ist eine Erkrankung, die sich beim Pferd auf unterschiedlichste Art auswirken kann. Die Erkrankung kann zu erheblichen Beschwerden durch Juckreiz und Hautveränderungen und/oder Atemwegsproblemen führen. Das kann bis zu einer Minderung des Gebrauchswertes der Pferde gehen. | | | Häufigste Anzeichen der allergischen Erkrankungen beim Pferd: | | | | 1. Juckreiz, bis hin zu selbstverursachten Verletzungen, haarlosen Stellen, weggescheuerter Mähne und Schweif oder Krusten, Schuppen, verdickte Haut an Bauch, Achsel, Leiste und Brust. 2. Nesselsucht (Urticaria) 3. Die RAO („recurrent airway obstruction“; früher COPD „chronic obstructive pulmonary disease“ genannt) ist eine Lungen-Erkrankung bei Pferden, ähnlich mancher Formen des menschlichen Asthmas. Liegen ein oder mehrere dieser Anzeichen vor, so liegt der Verdacht auf eine Allergie nahe. Pferdebesitzer und Tierärzte empfinden allergisch bedingten Haut- und Atemwegserkrankungen beim Pferd sehr oft als frustrierend. Die allergisch bedingten Hautveränderungen ähneln sich bei ganz unterschiedlichen Ursachen wie der atopischen Dermatitis (Allergie auf Pollen, Milben, Schimmelpilze), der Futtermittelallergie (allergische Reaktion auf einen Bestandteil der gefüttert wird) und der Insektenallergie (auch unter den Synonymen Culicoideshypersensitivität oder Sommerekzem bekannt). Manche Pferde leiden noch dazu an mehreren Allergien gleichzeitig.Die Erkennung der Ursache gestaltet sich daher oft schwierig. | | | Auslösende Allergene (Substanzen, die eine Allergie auslösen können): | | | | | 1. Atopische Dermatitis: Pollen, Hausstaub- und Vorratsmilben sowie Pilzsporen. 2. Insektenallergie: Gnitze (Culicoides spp.), Kriebelmücke (Simulium spp.), Stechmücke (Culex spp.), Wadenstecher (Stomoxys spp.), Bremse (Tabanus spp.) 3. Futtermittelallergie Hafer, Mais, Zusatzstoffe, Kümmelöl, etc. All diese Allergene findet man auch im Pferdestall, nicht nur in unseren eigenen Häusern. Wenn man die Statistik genauer betrachtet, erkennt man, dass die meisten Pferde auf Hausstaubmilben und auf Vorratsmilben (kommen im Müsli, Getreide, aber auch Heu, Stroh und Stallstaub vor) allergisch reagieren. Danach folgen allergische Reaktionen auf verschiedene Insekten ( Kriebelmücke, Culicoides, etc.), Pollen (Pollen verschiedener Gräser, Bäume und Unkräuter). Allergen Häufigkeit Hausstaubmilben Vorratsmilben Insekten Pollen Schimmelpilze | 55% 54% 40% 22% 5% | Nur selten werden Reaktionen auf Schimmelpilze nachgewiesen. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn viele allergische Pferde das ganze Jahr über gesundheitliche Probleme zeigen. Oft beobachtet der Tierbesitzer im Sommer eine Verschlimmerung der Symptome. Das lässt sich damit erklären, dass es sich bei einer Allergie generell um ein Schwellenwertphänomen handelt. Wenn das Tier z. B. auf einige Insekten, Pollen und Milben allergisch reagiert, ist im Sommer die Allergenkonzentration durch das Vorkommen der Insekten und Pollen viel höher als im Winter. Dadurch verschlimmern sich auch im Sommer die Symptome. Umgekehrt kann es bei einem reinen Milben- oder Schimmelpilzallergiker gerade im Winter zu einer Verschlimmerung kommen, da viele Tiere im Winter vermehrt aufgestallt werden und die Konzentration dieser Allergene im Stall deutlich höher ist. | | | | | | Erster Hinweis auf eine Allergie | | | | 1. Zeitpunkt und Ort des Auftretens sind erste wichtige Hinweise. Sind Symptome im Frühling und Sommer am stärksten, können Pollen oder Insekten die Auslöser sein. 2. Eine Hausstaubmilbenallergie kann dagegen das ganze Jahr über auftreten. Die Symptome bessern sich jedoch, wenn das Pferd auf die Koppel kommt. 3. Bei einer Futtermittelallergie kann manchmal ein direkter Zusammenhang mit der Fütterung beobachtet werden. Die Beschwerden können jedoch auch sehr verzögert, also erst Tage nach der Fütterung auftreten, was das Erkrennen eines direkten Zusammenhangs oft erschwert. Der Wechsel von einer Futtermarke auf eine andere, bringt in der Regel keine Besserung, weil d i e Grundnahrungsmittel gleich bleiben. Häufige Auslöser sind die sogenannten „Leckerli“. | | | Bestätigung des Allergieverdachts | | | | Eine gründliche Analyse der Lebensumstände des Tieres durch den Tierarzt ist der Einstieg. Mit verschiedenen Untersuchungen wird Ihr Tierarzt dann versuchen, andere Usachen für den Juckreiz oder die bestehenden Hautveränderungen zu suchen. Das können z. B.Tupfer- , Abklatsch- oder Haarproben oder auch Hautgeschabsel oder gar Hautstanzen sein. Manche Erkrankungen können auch mittels Blutuntersuchungen abgeklärt werden. Sobald alle übrigen Erkrankungen ausgeschlossen sind, wird Ihr Tierarzt weitere Schritte der Allergiediagnostik unternehmen. Allergietests: Im Wesentlichen werden zwei Testverfahren unterschieden: - Hauttests, bei denen dem Tier verschiedene Allergene (Insekten, Pollen, Hausstaubmilben,...) in die Haut gespritzt werden. Anhand der Veränderungen an der Injektionsstelle kann der Tierarzt feststellen, ob eine allergische Reaktion auf die jeweilige Substanz vorliegt.  | - Bluttests, bei denen im Blut untersucht wird, ob vom Körper Antikörper gegen die verursachenden Substanzen (Allergene, d. h. Stoffe, die Allergien auslösen) gebildet worden sind. Für diese Art von Allergietest benötigt Ihr Tierarzt eine Blutprobe Ihres Tieres, die er an ein Speziallabor zur Analyse einschickt. Hierbei kann wiederum zwischen dem sogenannten „FcEpsilon-Rezeptor Test“ und dem „Equine CAST 2000“ unterschieden werden. | Der erste weist freie und kurzlebige Antikörper im Blut nach. Der zweite misst über einen aufwendigen Test die langanhaltende Stimulierbarkeit von Blutzellen, nachdem die in Frage kommenden Allergene zugesetzt wurden. Keiner der Tests kann universell eingesetzt werden. Ihr Tierarzt wird den für Ihr Tier geeigneten Test auswählen. | | | Futtermittelallergie - eine Besonderheit | | | | Sie ist eine schwierig nachzuweisende Erkrankung, weil die Reaktionen des Verdauungstrakts sehr unterschiedlich aussehen können. Eine sichere Diagnose ist lediglich mit einer sogenannten „Ausschlussdiät“ (Eliminationsdiät) möglich: dem Tier wird für bis zu zwei Monaten eine stenge Diät gefüttert, die der Tierarzt auswählt. Wenn die Krankheitserscheinungen während der Diät verschwinden, war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Bestandteil des alten Futters für die Erkrankung verantwortlich. Im Anschluss daran kann das ursprüngliche Futtermittel wieder probehalber gefüttert werden - ein Wiederauftreten der Symptomatik beweist dann das Vorliegen der Futtermittelallergie. Diese Diät erfordert aber ein hohes Maß an Disziplin des Tierbesitzers und ist in vielen Stallsituationen schwer, wenn überhaupt durchzuführen. Mit einer Blutuntersuchung können zusätzlich die auf verschiedene Futtermittel gebildeten Antikörper nachgewiesen werden. Diese Untersuchung hilft Ihnen und Ihrem Tierarzt, die geeigneten Futtermittel für eine Diät auszuwählen. Es gibt jedoch auch Formen einer Futtermittelunverträglichkeit, die nicht allergisch bedingt sind, d. h. es werden keine Antikörper gebildet; in solchen Fällen kann ausschließlich eine Diät zu einer Diagnose führen. | | | Die Allergene sind bekannt, was tun? | | | | Vermeidung der auslösenden Allergene ist die ideale Therapie. Bei Allergien, die dem Tier nur über eine kurze Zeit im Jahr Beschwerden bereiten, können verschiedene Medikamente in dieser Zeit Abhilfe schaffen. Bei ganzjährigen Symptomen sind die Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie jedoch zu schwerwiegend.  | In solchen Fällen sollte eine spezifische Immuntherapie, SIT Hyposensibilisierung) in Betracht gezogen werden. Für die spezifische Immuntherapie werden basierend auf dem Ergebnis eines Allergietests speziell für Ihr Pferd individuelle Behandlungslösungen hergestellt. Diese enthalten geringe Mengen der Allergene, auf die Ihr Pferd allergisch reagiert. Dem Tier werden diese verantwortlichen Allergene über Monate in steigenden Konzentrationen und Intervallen injeziert. | Bei den meisten Pferden führt diese Behandlung zu einer höheren Toleranz gegen die krankheitsauslösenden Allergene mit dem Ergebnis, dass Ihr Pferd sich in seiner Umgebung wieder wohl fühlt. Verbesserungen können oft schon nach wenigen Wochen, in einigen Fällen aber auch erst nach Monaten auftreten. Bei über 70 % der Tiere bewirkt diese Therapieform eine deutliche Verbesserung oder gar ein komplettes Verschwinden der Symptomatik. Da Allergien jedoch nicht heilbar sind, sollte eine spezifische Immuntherapie bei gutem Erfolg über Jahre hinweg - unter Umständen lebenslang - beibehalten werden. In seltenen Fällen kann es zu Nebenwirkungen kommen, die sich i. d. R. aber nur in einer kurzfristigen, leichten Verschlimmerung der Symptome durch Ihren Tierarzt meist in den Griff zu bekommen sind.  | Es muss jedoch bedacht werden, dass es sich bei einer Allergie um eine lebenslange Erkrankung handelt, die generell nicht geheilt aber auch vererbt werden kann. Nur die genaue Kenntnis der auslösenden Substanzen, die Vermeidung dieser Alleregene und eine spezifische Immuntherapie können dazu beitragen, die Lebensqualität Ihres Pferdes deutlich zu verbessern. Zusammen mit Ihrem Tierarzt wird es Ihnen gelingen, eine Diagnose zu stellen und mit der geeigneten Therapie die optimale Lebensqualität für Ihr Tier zu erreichen. | | | |